Kurz zusammengefasst
Chemischer Sonnenschutz absorbiert UV-Strahlung über organische Filter und gibt sie als Wärme wieder ab, während physikalischer Sonnenschutz mit Zinkoxid und Titandioxid auf der Hautoberfläche bleibt und UV-Strahlung abhält. Keiner ist grundsätzlich besser – entscheidend ist, welcher zu Ihrem Hautzustand und Ihrer Situation passt.
- Bei empfindlicher Haut und für Kinder ist der meist reizärmere physikalische Sonnenschutz unproblematisch
- Bei öliger und Mischhaut sind leichte, transparente chemische oder hybride Sonnenschutzmittel angenehmer
- Unabhängig von der Art gilt: Breitband-Schutz, mindestens SPF 30, großzügig 15 Minuten vor dem Rausgehen auftragen
Sonnenschutzmittel unterscheiden sich nach ihren Filterstoffen in chemischen und physikalischen Sonnenschutz; daneben gibt es hybride Produkte, die beides kombinieren. SKINROUTE hat den Unterschied der beiden Methoden, Auswahlkriterien nach Hauttyp und Wege gegen den Weißschleier zusammengestellt.
Zwei Wege, UV-Strahlung abzuhalten
Selbst bei gleichem SPF50+, PA++++ kann die Art des UV-Schutzes unterschiedlich sein. Da sich Auftragegefühl, Weißschleier und Reizung je nach Methode unterscheiden, erleichtert es die tägliche Anwendung erheblich, wenn Sie wissen, welche Art zu Ihrer Haut passt.
Chemischer Sonnenschutz
Organische Filterstoffe bilden auf der Haut einen dünnen Film, absorbieren UV-Strahlung und geben sie als Wärme wieder ab. Viele Produkte sind transparent und leicht, weshalb sie sich gut vor dem Make-up eignen. Typische Filter sind Avobenzon, das UVA absorbiert, sowie die im koreanischen und europäischen Raum häufig verwendeten Tinosorb-Filter, die relativ lichtstabil sind. Avobenzon zerfällt unter Lichteinfluss leicht und wird deshalb meist mit stabilisierenden Wirkstoffen kombiniert.
Physikalischer Sonnenschutz
Mineralischer Sonnenschutz hält UV-Strahlung mit mineralischen Wirkstoffen wie Zinkoxid und Titandioxid ab, die auf der Hautoberfläche bleiben. Oft wird erklärt, sie „reflektieren" UV-Strahlung, tatsächlich absorbieren sie einen großen Teil davon ebenfalls. Zinkoxid deckt UVA und UVB breit ab, Titandioxid UVB und einen Teil des UVA-Bereichs. Physikalischer Sonnenschutz reizt vergleichsweise wenig, hinterlässt aber leicht einen weißen Schleier.
Sonnenschutz-Filter im Überblick
- Zinkoxid
- Mineralischer Filter, deckt UVA und UVB breit ab
- Titandioxid
- Mineralischer Filter, deckt UVB und einen Teil des UVA-Bereichs ab
- Avobenzon
- Organischer Filter, absorbiert UVA (mit stabilisierenden Wirkstoffen kombiniert)
- Tinosorb-Filter
- Organische Filter, absorbieren UVA und UVB, relativ lichtstabil
Chemischer vs physikalischer Sonnenschutz im Vergleich
Chemisch vs physikalisch
| Chemisch | Physikalisch | |
|---|---|---|
| Schutzweise | Absorbiert UV-Strahlung und gibt sie als Wärme ab | Bleibt auf der Hautoberfläche und hält UV-Strahlung ab |
| Typische Wirkstoffe | Avobenzon, Tinosorb-Filter u. a. | Zinkoxid, Titandioxid |
| Auftragegefühl | Leicht und transparent | Dickflüssig, neigt zu Weißschleier |
| Reizung | Bei empfindlicher Haut kann es stechen | Vergleichsweise reizarm |
| Gut geeignet für | Ölige, Mischhaut, vor dem Make-up | Empfindliche Haut, Kinder, gereizte Haut |
| Auftragezeitpunkt | 15 Minuten vor dem Rausgehen | 15 Minuten vor dem Rausgehen |
Die Schutzwirkung hängt weniger davon ab, ob der Filter organisch oder mineralisch ist, sondern stärker vom SPF-/PA-Wert und der tatsächlich aufgetragenen Menge. Die verbreitete Aussage „Chemischer Sonnenschutz braucht 20~30 Minuten, bis er wirkt" stimmt so nicht: Die Amerikanische Akademie für Dermatologie (AAD) empfiehlt, unabhängig von der Art 15 Minuten vor dem Rausgehen ausreichend aufzutragen, im Freien alle 2 Stunden nachzucremen und nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen sofort erneut aufzutragen.
Hybrider Sonnenschutz
In letzter Zeit gibt es viele hybride Sonnenschutzmittel, die mineralische und organische Filter kombinieren. Sie verbinden die Milde des physikalischen mit dem leichten Tragegefühl des chemischen Sonnenschutzes – auf der Inhaltsstoffliste stehen dann sowohl Zinkoxid oder Titandioxid als auch organische Filter. Wer den Weißschleier stört, aber von chemischem Sonnenschutz gestochen wurde, findet hier eine unproblematische Wahl.
Auswahlkriterien nach Hauttyp
Sonnenschutz nach Hauttyp wählen
| Gut geeigneter Typ | Worauf beim Kauf achten | |
|---|---|---|
| Empfindlich | Physikalischer Sonnenschutz | Duftstofffrei, wenig Alkohol |
| Ölig, Mischhaut | Chemischer oder hybrider Sonnenschutz | Gel-/Fluid-Textur, frisches Finish |
| Trocken | Bei Cremetextur alle Arten möglich | Feuchtigkeitswirkstoffe wie Ceramide, Glycerin |
| Unreinheitsneigend | Physikalisch und chemisch beide möglich | Kennzeichnung „nicht komedogen" |
| Kinder | Physikalischer Sonnenschutz | Unter 6 Monaten zuerst Schatten und Kleidung |
Empfindliche Haut
Wer organische Filter als stechend empfindet, ist mit physikalischem Sonnenschutz auf Basis von Zinkoxid/Titandioxid gut beraten. Wählen Sie ein duftstofffreies Produkt mit einfacher Zusammensetzung. Testen Sie neuen Sonnenschutz zuerst an der Innenseite des Unterarms, bevor Sie ihn im Gesicht anwenden.
Ölige und Mischhaut
Die dickflüssige Textur physikalischen Sonnenschutzes kann Glanz stärker betonen. Leichte Gel- oder Fluid-Produkte auf chemischer Basis oder hybride Sonnenschutzmittel mit reduziertem Weißschleier sind angenehmer.
Trockene Haut
Beide Methoden passen gut, wenn die Textur cremig und feuchtigkeitsreich ist. Wählen Sie ein Produkt mit Hyaluronsäure, Ceramiden und Glycerin und tragen Sie vor dem Sonnenschutz eine Feuchtigkeitspflege auf, damit es weniger absetzt.
Unreinheitsneigende Haut
Wichtiger als die Methode ist, ob die Poren verstopft werden. Wählen Sie ein Produkt mit der Kennzeichnung „nicht komedogen" (Non-comedogenic) und reinigen Sie abends sorgfältig, damit kein Sonnenschutz zurückbleibt.
Bei Kindern und Bedenken zu Inhaltsstoffen
Die AAD empfiehlt für Babys unter 6 Monaten zuerst Schatten und Kleidung statt Sonnenschutz; wird Sonnenschutz benötigt, sind Produkte mit Zinkoxid/Titandioxid weniger reizend. Kriterien für die Wahl von Kinder-Sonnenschutz sind eigens zusammengestellt. Wer schwanger ist oder Bedenken gegenüber organischen Filtern hat, ist mit physikalischem Sonnenschutz auf der sicheren Seite.
Wichtiger als die Art
- Kennzeichnung Breitband-Schutz (broad-spectrum)
- Mindestens SPF 30
- Mindestens PA+++
- Bei Kontakt mit Schweiß/Wasser wasserfest
- Bei empfindlicher Haut duftstofffreies Produkt
- Bei unreinheitsneigender Haut nicht komedogen
Wege gegen den Weißschleier
Der größte Nachteil physikalischen Sonnenschutzes ist der weiße Schleier. Wird deshalb die Menge reduziert, sinkt auch die Schutzwirkung – wählen Sie also eher ein Produkt, das den Weißschleier verringert, ohne bei der Menge zu sparen.
- Feinpartikulärer physikalischer Sonnenschutz: Produkte mit fein zerkleinerten Zinkoxid-Partikeln hinterlassen weniger Weißschleier.
- Getönter Sonnenschutz: Pigmente wie Eisenoxide geben der Haut einen Farbton und verdecken so den Weißschleier.
- Hybrider Sonnenschutz: Der geringere Anteil mineralischer Filter bedeutet weniger Weißschleier und ein leichteres Auftragegefühl.
- In mehreren Schichten auftragen: Statt die Menge auf einmal aufzutragen, dünn in zwei Schritten verteilen – so setzt sich weniger ab.
Häufig gestellte Fragen
Ist chemischer Sonnenschutz nicht riskant, weil er vom Körper aufgenommen wird?
Viele sorgen sich, weil manche organischen Filter im Körper nachgewiesen wurden. Ein Nachweis allein bedeutet nicht, dass etwas schädlich ist, und regelmäßiges Auftragen – gleich welcher Art – ist wichtiger, als Sonnenschutz ganz auszulassen. Wer trotzdem ein besseres Gefühl haben möchte, kann zu physikalischem Sonnenschutz auf Basis von Zinkoxid/Titandioxid greifen.
Wirkt physikalischer Sonnenschutz sofort?
Es heißt oft, physikalischer Sonnenschutz wirke sofort und chemischer erst nach 20~30 Minuten, doch die AAD empfiehlt unabhängig von der Art, 15 Minuten vor dem Rausgehen aufzutragen. Tragen Sie gleichmäßig auf und geben Sie ihm etwas Zeit, sich zu setzen.
Ist der Schutz bei gleichem SPF unabhängig von chemisch oder physikalisch gleich?
SPF gibt an, wie stark UVB abgehalten wird – bei gleichem SPF ist der UVB-Schutz also vergleichbar. Den UVA-Schutz erkennen Sie an PA-Wert und Breitband-Kennzeichnung. Die tatsächliche Schutzwirkung hängt stark von der aufgetragenen Menge ab.
Für wen ist hybrider Sonnenschutz geeignet?
Er verbindet die Milde des physikalischen mit dem leichten Tragegefühl des chemischen Sonnenschutzes und passt deshalb den meisten Hauttypen gut. Besonders angenehm für alle, denen physikalischer Sonnenschutz zu weiß und chemischer zu stechend war.
Den passenden Sonnenschutz für Ihre Haut finden
Da Sonnenschutz täglich aufgetragen wird, ist eine für die Haut angenehme Textur am wichtigsten. Die SKIN100-Hautanalyse wertet mehr als 100 Fragebogen-Items zu 8 zentralen Faktoren aus – von Lebensgewohnheiten über Skincare-Routinen bis zu Umwelteinflüssen – und berücksichtigt zugleich Empfindlichkeit, Fettneigung und Outdoor-Gewohnheiten Ihrer Haut. Der AI-Coach empfiehlt darauf abgestimmt, ob physikalischer, chemischer oder hybrider Sonnenschutz und welche Textur zu Ihnen passt.